Buddha Blog

Buddha verneint die physische und psychische Existenz einer Seele. Diese Theorie über das selbst wird Anatmavada genannt.

Anatmavada Buddha Blog beherbergt weit über 1000 buddhistischen Weisheiten, Zitate und Sprüche.

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Auf lange Sicht

Die meisten von uns neigen dazu, sich nur mit kurzen, kleinen, eng begrenzten Dingen zu beschäftigen. Beispielsweise glauben wir, am menschlichen Leben sei nicht viel dran – geboren werden und dann sterben – also achten wir nur auf die Befriedigung unseres Magens und unserer Gelüste.

Ajaan Lee Dhammadharo

Ajaan Lee Dhammadharo

Es gibt kaum jemanden, der weiter denkt, der daran denkt, was nach dem Tod kommt. In dieser Sache sind wir kurzsichtig und denken nicht daran, gute Eigenschaften und Tugend in uns zu entwickeln, weil wir die Wahrheit nicht sehen und welche wichtigen Vorteile wir einmal in der Zukunft daraus ziehen werden.
Tatsächlich sind jedermanns Angelegenheiten wirklich langwierig und keineswegs kurz. Wären sie kurz, wüssten wir alle, wo wir herkommen und wie wir da hingekommen sind, wo wir sind. Mit der Zukunft wäre es genauso: wären unsere Angelegenheiten wirklich nur eine kurze Geschichte, wüssten wir, wohin wir gehen und was wir nach dem Tod sein werden.


In Wahrheit ist es aber so, dass fast niemand diese Dinge von sich weiss. Die einzigen, die es wissen, sind diejenigen, deren Geist in guten Eigenschaften und Tugend fest verankert ist und die sich zu solcher Reinheit entwickelt haben, dass sie ein intuitives Verständnis erlangt haben, das sie in die Lage versetzt, zu sehen, wo sie hergekommen sind und wohin sie gehen. Solche Leute besitzen das innere Auge, weshalb sie fähig sind, Dinge in Vergangenheit und Zukunft zu sehen. Manchmal können sie nicht nur ihre eigenen Angelegenheiten, sondern auch die von anderen sehen. Das lässt sie die Nöte und Leiden erkennen, denen Menschen und andere in diese Welt hineingeborene Lebewesen unterworfen sind. Sie sehen den Kreislauf von Geburt, Altern, Krankheit und Tod. Sie sehen ihre früheren Leben, gute wie schlechte, und das erweckt in ihnen Betroffenheit und Ernüchterung, so dass sie dem Gedanken, noch einmal wiedergeboren zu werden, nichts mehr abgewinnen können. Folglich versuchen sie, ihre guten Eigenschaften und ihre Tugend weiter zu entwickeln, damit die Anzahl der für sie noch erforderlichen Wiedergeburten sich verringert. Stromeingetretene – diejenigen, die in den Strom zur Befreiung (Nibbana) eingetreten sind – werden beispielsweise höchstens noch sieben Mal wiedergeboren und danach niemals wieder. Einmalwiederkehrer werden in der Menschenwelt nur noch einmal wiedergeboren, und Nichtwiederkehrer werden in den Brahmawelten wiedergeboren und erlangen dort die Befreiung.
Was die Stromeingetretenen betrifft, so werden sie, obwohl sie wiedergeboren werden müssen, an sicheren Orten wiedergeboren. Sie werden nicht in Daseinsebenen wiedergeboren, auf denen Mangel herrscht, etwa bei den hungrigen Schatten, hasserfüllten Dämonen oder gewöhnlichen Tieren. Sie werden als menschliche Wesen wiedergeboren, aber als besondere menschliche Wesen, nicht so wie der Rest von uns. Was ist besonders an ihnen? Sie haben nur wenige Befleckungen im Herzen, keine dicke Schicht von Befleckungen wie bei gewöhnlichen Leuten. Sie haben ein angeborenes Gewissen und intuitives Gespür für Recht und Unrecht. Sie mögen zwar von Zeit zu Zeit etwas Böses tun, aber sie sehen den Schaden, der daraus entsteht, und verspüren dann ein Gefühl der Scham, das sie wünschen lässt, dass ihre Befleckungen sie niemals wieder zu Missetaten führen mögen.

Leute, die dem Wiedergeborenwerden nichts mehr abgewinnen können, strengen sich besonders stark an, um ihre Tugenden zu entwickeln, damit sie nicht mehr zurückkommen und wiedergeboren werden müssen. Wenn ihr die Anzahl eurer zukünftigen Wiedergeburten vermindern möchtet, dann solltet ihr unentwegt eure guten Eigenschaften und euren inneren Wert steigern. Anders gesagt, macht euer Herz rein und hell durch Grosszügigkeit, tugendhaftes Verhalten und Meditation. Haltet eure Gedanken, Worte und Taten im Gleichgewicht, abgeschieden von innerem wie äusserem Bösem. Wenn man in Worten und Taten keine Laster hat, dann nennt man das abgeschieden von äusserem Bösem. Wenn der eigene Geist fest in der Vertiefung verankert und frei von hinderlichen Ablenkungen ist, dann nennt man das abgeschieden von innerem Bösem. Auf diese Weise kann man sich sowohl innen als auch aussen in Frieden und Wohlergehen befinden. Wie der Buddha sagte: “Glücklich ist der in der Abgeschiedenheit Zufriedene.”


Wenn diese Art von Abgeschiedenheit sich im Geist zeigt, fliessen alle Arten von wertvollen Eigenschaften ohne Unterlass herein. Das Herz erhebt sich höher und höher, bis es nach überhaupt nichts mehr verlangt. War man gewöhnt, viel zu essen, möchte man jetzt nicht mehr viel essen. War man gewöhnt, massvoll zu essen, dann gibt es Zeiten, an denen man überhaupt nicht mehr essen möchte. War man gewöhnt, viel zu sprechen, möchte man jetzt lieber schweigen. War man gewöhnt, lange zu schlafen, möchte man nur noch wenig schlafen. Ganz gleich, wie die Lebensumstände sind, wird das Herz vollkommen glücklich sein, ohne Furcht vor irgendetwas oder irgendjemandem. So verringert man die Anzahl der eigenen künftigen Wiedergeburten.

 

Solltet ihr irgendwelche Gebiete entdecken, auf denen es euch noch an innerem Wert fehlt, solltet ihr versuchen, den Mangel sogleich wett zu machen. Bleibt beständig in eurer Meditationsausübung und sorgt dafür, dass der Geist klar ist, frei von den Ablenkungen, die ihn in den Dreck ziehen würden. Dreck ist, wo Tiere leben – Schweine, Hunde, Enten, Hühner, Kühe. Für Menschen ist das kein geeigneter Aufenthaltsort. Wenn ihr wirklich ein Mensch seid, dann solltet ihr es vorziehen, an sauberen Orten zu leben, wo es keine Gefahren und Krankheitserreger gibt. Deswegen pries der Buddha die Abgeschiedenheit als Quelle des Glücklichseins. Also sucht euch nach Möglichkeit einen abgeschiedenen Ort, um im Geist zu verweilen, abgeschieden von hinderlichen Ablenkungen. Lasst euren Geist strahlen wie ein Juwel, und lasst euch nicht in Versuchung führen, das Gute, das ihr habt, für Unrat einzutauschen. Ihr solltet jederzeit achtsam sein, also erlaubt euch keine Geistesabwesenheit oder Vergesslichkeit.

Wenn euer Geist nicht in der Gegenwart bei eurem Körper bleibt, dann wird allerlei Böses – alle Arten von Ablenkungen – hereinströmen, um ihn zu überwältigen, so dass er von seinem inneren Wert abfällt, genauso wie ein leer stehendes Haus mit Sicherheit zu einer Brutstätte für Spinnen, Termiten und sonstiges Getier werden wird. Wenn ihr euren Geist fest in der Gegenwart bei eurem Körper haltet, seid ihr in Sicherheit. Wie jemand auf einem grossen Schiff inmitten einer ruhigen See ohne Wind und Wellen: wohin man auch blickt, ist alles klar und rundum offen. Man kann weit in die Ferne schauen. Die Augen sind gestillt, was Sichtbares betrifft, die Ohren gestillt, was Hörbares betrifft, und so weiter mit den übrigen Sinnen. Der Geist ist gestillt, was Gedanken der Sinnlichkeit, des Übelwollens, des Schadens betrifft. Der Geist befindet sich in Abgeschiedenheit, Ruhe und in Frieden. Das ist der Ort, an dem wir unser “Ich”- und “mein”-Vermeinen aufgeben, wo wir das entfernte Ufer erreichen, uneingeschränkt und ohne Fesseln.


Ajahn Lee Dhammadharo

Dieser Text  ist ein Geschenk des dhamma und darf nur kostenlos weiter Verteilt werden.

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